Achtsamkeit erklärt für Kopfmenschen

Mit ziemlicher Sicherheit ist dir schon mal der Begriff der „Achtsamkeit“ begegnet. Achtsamkeit als Methode hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe in Bereichen wie der persönlichen Entwicklung, der Selbsthilfe und der Stressbewältigung etabliert. Auch in der Psychotherapie hat die Achtsamkeit ihren Platz gefunden und ist als wirksames Verfahren anerkannt, z. B. für die Rückfallprophylaxe bei depressiven Erkrankungen.

AchtsamkeitWenn man allerdings mal genauer nachfragt, wird deutlich, dass viele Menschen keine klare Vorstellung davon haben, was Achtsamkeit eigentlich genau ist, der Begriff bleibt diffus. Viele rational gestrickte Menschen stempeln Achtsamkeit als etwas Spirituelles oder Esoterisches ab, mit dem sie nichts anfangen können. Ich selbst bin auch ein sehr verkopfter Mensch. Ich habe ein starkes Bedürfnis, alles zu hinterfragen und zu verstehen, bevor ich mich darauf einlassen und es ernsthaft versuchen kann. Als mir die Achtsamkeit in meiner Ausbildung das erste Mal begegnete, war ich dementsprechend ziemlich skeptisch. Mittlerweile bin ich eine große Befürworterin dieser Methode geworden und sehe eine achtsame Grundhaltung als wichtiges Basis-Element für langfristiges psychisches Wohlbefinden.

Im heutigen Beitrag möchte ich einige meiner Recherchen und Überlegungen zur Achtsamkeit mit dir teilen und ein paar wichtige Zusammenhänge und Hintergründe aufzeigen. So kannst du dir eine Meinung darüber bilden, ob Achtsamkeit zu dir und deinen Zielen passt und ob du dich mehr damit beschäftigen möchtest.

Was genau ist Achtsamkeit?

Unter Achtsamkeit versteht man eine besondere Form von Aufmerksamkeit, man könnte auch sagen, eine besondere Form von Wahrnehmung oder Bewusstsein. Achtsam sein bedeutet mit der Aufmerksamkeit voll und ganz im gegenwärtigen Moment zu sein. Man nimmt dabei alles wahr, was gerade da ist, also Sinneseindrücke, Gefühle, Gedanken, Empfindungen, ohne diese jedoch zu bewerten oder zwangsläufig und automatisch darauf zu reagieren.

AchtsamkeitDas würde konkret z. B. bedeuten: Du sitzt abends beim Essen mit Freunden und bemerkst (durch eine achtsame Haltung), dass du gar nicht bei der Sache bist, sondern mit deinen Gedanken noch bei der Arbeit fest hängst. Du bemerkst, dass das zu Anspannung in deinem Körper führt. Du verurteilst oder kritisierst dich dann aber nicht dafür, weil du z. B. gerade gar nicht zugehört hast oder weil du schon wieder nicht abschalten kannst, sondern siehst lediglich, dass es gerade so ist. Im nächsten Schritt kannst du entscheiden, wie du damit umgehen möchtest.

Warum ist es wichtig, im Hier und Jetzt zu sein?

In unserem normalen Alltag sind wir erstaunlich wenig im Hier und Jetzt präsent. Häufig sind wir mit unseren Gedanken ganz woanders. Wir denken morgens am Frühstückstisch schon an den Arbeitstag (Zukunft), abends auf dem Sofa hängen uns Situationen des Tages noch nach (Vergangenheit). Viele Menschen sind sehr gut darin, sich über zukünftige Situationen Sorgen zu machen und zu katastrophisieren oder bereits Vergangenes immer und immer wieder durchzukauen und sich damit selbst zu quälen.

Dieses gedankliche Abschweifen hat verschiedene negative Auswirkungen:

  1. Du bekommst nicht mit, was im Hier und Jetzt passiert und dass eigentlich gerade alles in Ordnung ist. Denn du sitzt ja eigentlich gerade gemütlich auf dem Sofa oder am Frühstückstisch. So entgehen dir viele schöne Momente.
  2. Du bekommst wenig davon mit, wie es dir gerade geht und was du brauchst. Du verlierst das Gespür für dich selbst und kannst dich deshalb nicht gut um dich und deine Bedürfnisse kümmern.
  3. Du erlebst negative Emotionen und erzeugst durch deine Gedanken Stress und Belastung.

Warum ist es wichtig, nicht automatisch zu bewerten?

AchtsamkeitMenschen neigen dazu, relativ schnell und automatisch Urteile zu fällen. Wir teilen unsere Welt in schwarz und weiß, ordnen unsere Wahrnehmungen in Kategorien ein, in Dinge die wir mögen oder eben nicht, die wir gut oder schlecht finden. So spart man Zeit und die Welt wird übersichtlicher und strukturierter. Mit allem anderen wäre das Gehirn außerdem komplett überfordert. Bewertungen gehören in unser Leben und das ist ok.

In unserem Alltag laufen allerdings darüber hinaus viele ungünstige Bewertungsprozesse ab, die uns in der Regel nicht oder nicht vollständig bewusst sind:

  1. Du fällst (negative) Urteile über dich selbst. Du lässt etwas fallen und beschimpfst dich dafür. Du isst etwas Ungesundes und kritisieren dich dafür. Du bist sind mal wieder spät dran und bist genervt von dir selbst. Das alles führt dazu, dass du über weite Strecken unfreundliche innere Dialoge mit dir selbst hast. Der Stimmung und dem Selbstwert tut das nicht gerade gut.
  2. Du fällst (negative) Urteile über andere Personen. Niemand kann sich davon frei sprechen, Urteile über andere Personen zu fällen. Schnell packen wir Menschen in Schubladen, finden sie nervig, ärgern uns über ihr Verhalten oder haken sie direkt ab. Die Interaktion mit diesen Personen wird dann meist schwierig. Hat man einmal ein negatives Urteil gefällt, betrachtet man die Person durch eine negative Brille und gibt ihr oft keine Chance mehr, das Urteil zu revidieren.
  3. Du fällst (negative) Urteile über Situationen und Ereignisse. Wir sind genervt, wenn wir im Stau stehen oder der Zug verspätet ist. Wir ärgern uns, wenn der Grillabend ins Wasser fällt. Wir bemitleiden uns selbst, wenn wir krank sind. Wir schimpfen auf das Wetter, die Politik, das Schicksal. Auch haben wir Situationen auf Basis vergangener Erlebnisse als angenehm oder unangenehm abgespeichert und gehen deshalb bereits mit einer voreingenommenen Einstellung, sprich einer (negativen) Erwartungshaltung, in die Situation.

In den negativen Gedanken und Gefühlen bleiben wir oft hängen, sodass wir wiederum nicht präsent im Augenblick sein können. So verpassen wir viel. Zusätzlich beeinflussen sie unsere Stimmungslage und unsere Wahrnehmung auf eine negative Art und Weise. Wir können nicht mehr offen und unvoreingenommen sein. So werden unsere Entscheidungen und Handlungen möglicherweise ungünstig beeinflusst.

Welche positiven Effekte können aus Achtsamkeit hervorgehen?

Du bist präsent und fokussiert im jetzigen Moment.

Du entlastest deinen Kopf, indem du nicht mehr grübelst und aufhörst, dich mit Sorgen zu belasten.

Deine Konzentrationsfähigkeit und Lernfähigkeit bessern sich.

Du reduzierst Stress, Anspannung und emotionale Belastung.

Du bemerkst und unterbrichst ungünstige innere Bewertungsprozesse.

Du nimmst besser wahr, wie es dir geht und was du brauchst. So steigerst du dein Wohlbefinden.

Du bist offen für verschiedene Sichtweisen und hörst auf, vorschnell Urteile zu fällen.

Falls sich das alles sinnvoll für dich anhört, empfehle ich dir, dich weiter mit dem Thema Achtsamkeit zu beschäftigen und es einfach mal auszuprobieren. Es gibt viele Webseiten und einige gute Apps zur Achtsamkeit, außerdem viele Kurse und Seminare. Du möchtest mehr wissen, hast Fragen oder Kommentare? Dann melde dich gerne bei mir.

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