Mythos Burnout: Einige Grundlagen für mehr Durchblick

Startet man eine Internet Recherche mit dem Suchbegriff „Burnout“ erhält man eine unglaublich große Anzahl von Treffern. Seitenweise Homepages von Burnout Beratern, Coaches und Spezialisten, Burnout Kliniken, Burnout Seminare, Schnellhilfe in 10 Schritten, Ratgeber und viele Fotos von abgebrannten Streichhölzern. Es ist schwierig, da den Überblick zu behalten, ich selbst war bei der Recherche auch des Öfteren verwirrt.

BurnoutBurnout ist eine Art Modebegriff geworden, der immer unklarer und schwammiger wird. Wo Menschen vor einigen Jahren noch gesagt haben, dass sie gestresst sind, reden sie heute schnell davon sich „ausgebrannt“ zu fühlen. Das hast du sicherlich auch schon mal gesagt und meintest damit wahrscheinlich, dass du dich erschöpft oder energielos gefühlt hast. Das hat allerdings noch nicht viel mit dem Burnout-Syndrom zu tun.

Dieser Beitrag ist der Versuch, ein wenig Grundlagenwissen zum Burnout-Syndrom zu vermitteln. Es kann nämlich tatsächlich sinnvoll für dich sein, dich mit diesem Thema zu befassen und etwas für dich zu tun, damit du kein Burnout Syndrom entwickelst. Um das einschätzen zu können, brauchen wir aber erstmal einen Einstieg in das Thema.

Das Burnout-Syndrom: Ein erster Überblick

Interessanterweise gibt es keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition des Burnout-Syndroms. Jede Forscher-Gruppe definiert Burnout anders und setzt unterschiedliche Schwerpunkte.

Erstmals in einem wissenschaftlichen Kontext erwähnt wurde der Begriff Burnout vom deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger im Jahr 1974. Er hatte beobachtet, dass freiwillige Mitarbeiter in Drogenkliniken häufig eine besorgniserregende Veränderung durchmachten. Die zunächst hochgradig engagierten, aufopferungsvollen Mitarbeiter entwickelten im Laufe der Zeit zunehmend Symptome körperlicher und psychischer Erschöpfung. Schleichend änderte sich die Einstellung zur ihren Klienten grundlegend und tiefgreifend: Sie wurden reizbar, zynisch und negativ, distanzierten sich emotional von ihrer Arbeit.

Die ersten systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Burnout führte die US-amerikanische Sozialpsychologin Christina Maslach in den 1980er Jahren durch. Von ihr stammt die wohl bekannteste Definition des Begriffes Burnout, auf die sich bis heute viele Forschergruppen in ihren Arbeiten beziehen:

„Burnout is a syndrome of emotional exhaustion, depersonalisation, and reduced personal accomplishment that can occur among individuals who do ‚people work’ of some kind“ (Maslach & Jackson, 1986).

„Burnout ist ein Syndrom aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierter persönlicher Leistungsfähigkeit, das unter Individuen auftreten kann, die irgendwie mit Menschen arbeiten.“
(Eigene Übersetzung)

Maslach definiert Burnout als „Syndrom“, d.h. es gibt beim Burnout eine Gruppe gemeinsam auftretender typischer Symptome .

Ihrer Ansicht nach tritt Burnout nur bei Menschen auf, die in sozialen Dienstleistungsberufen arbeiten und somit in ihrer täglichen Arbeit relativ engen, emotional anspruchsvollen Kontakt mit anderen Menschen (Klienten, Patienten, Schülern) haben.

Burnout ist somit ein Syndrom, das eng mit dem Beruf verknüpft ist. Es hat dann aber Auswirkungen auf die gesamte Person, ihr soziales Umfeld und ihre Lebenssituation.

Welche typischen Symptome treten beim Burnout-Syndrom auf?

Maslach definiert drei charakteristische Hauptsymptome des Burnout-Syndroms, die ihrer Ansicht nach alle vorhanden sein müssen, damit man bei einer betroffenen Person vom Burnout-Syndrom sprechen kann:

  1. Emotionale Erschöpfung: Die betroffene Person fühlt sich in ihrer Arbeit mit anderen Menschen emotional überfordert und ausgelaugt. Sie hat das Gefühl, nur noch wenig geben zu können, die emotionalen „Speicher“ sind leer.
  2. Depersonalisation: Die betroffene Person verliert Mitgefühl und Empathie ihren Patienten, Klienten etc. gegenüber. Sie nimmt ihnen gegenüber eine distanzierte, zynische, gleichgültige bis ablehnende Haltung ein und betrachtet sie eher als unpersönliche „Objekte“.
  3. Reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit: Die betroffene Person fühlt sich wenig kompetent oder erfolgreich, hat das subjektive Gefühl, ihre Arbeit nicht mehr gut bewältigen zu können. Es kommt zu einem immer negativeren beruflichen Selbstbild, das Engagement lässt nach. Gleichzeitig kommt es deswegen oft zu Schuldgefühlen.

Über diese drei Hauptsymptome hinaus können individuell verschieden noch zahlreiche weitere Symptome auftreten, z. B. eine veränderte Stimmungslage, Ängste oder Panikattacken, körperliche Beschwerden, Schlafstörungen, Suchtmittelkonsum und vieles mehr. Die Kombination von Symptomen ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Ist Burnout eine Krankheit?

Die meisten Experten sehen Burnout als eine Art „Zwischenzustand“ zwischen Gesundheit und Krankheit, der (noch) nicht im engeren Sinne krankheitswertig ist, aber nahe an einer psychischen Störung (z. B. Depression, psychosomatische Störung) anzusiedeln ist. In diesem Sinne ist Burnout dann ein Frühstadium oder die Vorstufe einer psychischen Erkrankung. Von den späten Stadien des Burnout-Syndrom bis hin zu einer psychischen Störung ist der Übergang aber fließend.

Das Burnout-Syndrom ist auch im Gesundheitssystem nicht als psychische Erkrankung klassifiziert. Im geltenden Diagnose-System wird Burnout nicht als psychische Störung berücksichtig. Es steht jedoch außer Frage, dass Burnout das psychische Befinden auf eine negative Art und Weise beeinträchtigt.

Laut offizieller Diagnosesysteme, gilt Burnout somit nicht als psychische Störung. Dennoch nehmen Menschen mit Burnout ärztliche und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Wie funktioniert das?

Je nachdem, welche Symptome bei der betroffenen Person im Vordergrund stehen, kann man bei der Diagnosestellung auf andere Diagnosen „ausweichen“, z. B. Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Erschöpfungssyndrom oder psychosomatische Störungen. Ärzte können außerdem die körperlichen Beschwerden des Betroffenen aufgreifen und diese als Diagnose verwenden. Zur Not greifen sie auf eine sehr allgemein gehaltene Diagnose aus einem Zusatzkapitel zurück.

Sind nur Menschen aus sozialen und helfenden Berufen betroffen?

BurnoutWie bereits erwähnt, ist Maslach der Ansicht, dass Burnout nur bei Menschen auftritt, die in einem sogenannten „Humandienstleistungsberuf“ arbeiten, also in einem sozialen oder helfenden Beruf (Sozialarbeiter, Seelsorger, Lehrer, Pflegepersonal, Ärzte, Therapeuten usw.). Kennzeichen dieser Berufe ist die emotional anspruchsvolle Zusammenarbeit mit anderen Menschen über einen längeren Zeitraum. Diese Berufe können psychologisch besonders herausfordernd sein.

Andere Forscher vertreten die Meinung, dass Menschen jeder Berufsgruppe und in verschiedenen Lebenssituationen (z. B. Studenten, Hausfrauen, pflegende Angehörige) betroffen sein können. Es gibt ja mittlerweile auch einige prominente Betroffene, die öffentlich über ihr Burnout berichtet haben, darunter Sportler, Politiker, Manager usw.

Da es keine einheitliche Definition von Burnout gibt, gibt es auch hier keine klare Antwort. Man kann vielleicht sagen, dass viele Berufsgruppen von Burnout betroffen sein können, das Syndrom aber in sozialen und helfenden Berufen besonders häufig auftritt.

Zusammengefasst

Burnout ist ein Syndrom, das sich im Kern aus drei Symptomen zusammensetzt: emotionale Erschöpfung, Depersonalisation, verringerte persönliche Leistungsfähigkeit. Es gibt noch viele zusätzliche psychische und körperliche Symptome, die von Mensch zu Mensch verschieden sind.

Es gibt keine einheitliche Definition von Burnout.

Burnout scheint besonders häufig bei sozialen und helfenden Berufen aufzutreten. Auch andere Berufsgruppen sind jedoch zunehmend betroffen.

Burnout gilt nicht als Krankheit oder psychische Störung, obwohl die Betroffenen psychische und körperliche Symptome haben, die sie als belastend erleben und die Leidensdruck und Einschränkungen mit sich bringen.

Weitere Informationen rund um das Thema Burnout erhältst du in weiteren Blog Beiträgen. Du möchtest mehr wissen, hast Fragen oder Kommentare? Dann melde dich gerne bei mir.

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